Die Via Francigena und Sigeric

Die sogenannte Strasse der Longobarden wurde zur Iter Francorum, oder Via Francisca im Itinerarium sancti Willibaldi von 725. Die Via Francigena wurde 876 im Actum Clusio (ein Pergament in der Abtei San Salvatore al Monte Amiata, Toscana) zum ersten Mal erwähnt.
Der Weg wie von Sigeric, Erzbischof von Canterbury, 990 nach seiner Rückkehr aus Rom beschrieben, wurde nach der Einführung der Heiligen Jahre um 1300 immer häufiger begangen aber nach 1700 aufgegeben.

Ausführlichere Geschichte

Die Via Francigena (VF) wurde zum Rückgrat des westeuropäischen Wegesystems, als im Jahre 58 v. Ch. Julius Cäsar eine „Sonnenstraße“ eröffnete, die kürzeste Verbindung zwischen der Nordsee und Rom. Der Verlauf deckt sich teilweise mit der keltischen Zinnstraße von Cornwall über die Schweiz nach Marseille, sowie mit dem europäischen Netz der römischen Reichsstraßen.

Als Folge der arabischen Herrschaft über Jerusalem (640) blieb Rom das Hauptziel christlicher Pilgerreisen bis zum Beginn der Verehrung des heiligen Jakobus von Compostela in Galizien (10. Jh). In Italien folgte die hochmittelalterliche Wegeführung alten longobardischen Straßenverläufen, die wiederum auf römische Routen zurückgingen.

Der Weg wurde 725 Iter Francorum (Weg der Franken) genannt. 876 tauchte zum ersten Mal der NameVia Francigena (VF) auf. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die VF ihren Namen je nach Herkunft der Nutzer. Via Francigena-Francisca in Italien und Burgund, Chemin des Anglois in Frankreich (nach der Christianisierung Englands 607) oder auch Chemin Romieux wegen des Zieles Rom.

Im Jahre 1154 beobachtete der isländische Mönch Nikulas von Munkathvera in Vevey (am Genfersee in der Schweiz) das Durchpilgern von Franzosen, Flamen, Engländern, Deutschen und Skandinaviern in Richtung Rom. Aber die Via Francigena diente auch und vor allem Päpsten, Kaisern, Bank- und Kaufleuten sowie Straßenräubern. Mit der Ausrufung des Heiligen Jahres 1300 und auch danach belief sich der Strom der Wanderer oft auf mehrere Tausend pro Jahr. Die Pilgerreisen nach Rom auf der VF waren um das 17. Jahrhundert herum nicht mehr üblich.

1985 zeichnete Giovanni Caselli, spezialisierter Altertumsforscher für Straßen, auf einer Karte den Weg des Erzbischofs Sigeric von Canterbury nach, der 990 in Rom ankam, um den Segen von Papst Johannes XV zu empfangen.

Die 80 Etappen (submansiones), aufgelistet in einem kurzen Reisetagebuch des angelsächsischen Erzbischofs, dienen als die nötigen Fixpunkte des Wegenetzes, das – heute bekannt als VIA FRANCIGENA – im Laufe der Jahrhunderte von unzähligen Wanderern gebildet wurde.

Von der VF verblieben in Italien, der Schweiz, in Frankreich und England beachtliche Teile mit alten römischen und mittelalterlichen Straßenpflastern. Das Projekt VF will diese Überreste wie mit einem roten Faden durch Geschichte, Kunst und Wirtschaft Europas verknüpfen.

Erwähnte Orte in der Schweiz

  • Antifern-Jougne LVI mansio (Schweizergrenze)
  • Orbe (Geburtsort von Kaiserin Adelaïde (X. Jh.), im XIII. Jh. von Amedée III befestigt)
  • Lausanne (Bischofssitz während der ersten Burgunderherrschaft mit Residenz im Schloss St-
  • Maire XIV. Jh und der schönsten Kathedrale der Schweiz XII.-XIII. Jh.)
  • Vevey (Kirche St. Martin XI.-XIII Jh.)
  • Versvey (Römerstrasse in der Umgebung von Yvorne)
  • Saint-Maurice (Abtei gegründet 515 und Hospiz St. Jacques IX. Jh.)
  • Orsières (Maieul, Abt aus Cluny, im X. Jh. von den Sarazenen entführt; Glockenturm XIII. Jh.)
  • Bourg-St-Pierre (altes Priorat IX. Jh., Hospiz XIII. Jh, Ruinen von Schloss Allinges)
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